Wann ist ein Schuh zu teuer?

the veil boot front row

complexgeometries ist eines meiner Lieblingslabels.
Auch wenn die Kleidung für viele im Schnitt sehr gewöhnungsbedürftig ist und es durchaus Stimmen gibt, die behaupten, eine Kollektion sähe aus wie die andere, ich bleibe meinem Label treu.

Mein persönlicher Liebling des Labels ist The Veil. Ein geometrisches Meisterwerk eines Boots mit Wedge-ähnlichem Absatz. Seit geraumer Zeit ist dieser Schuh ein immer wiederkehrendes Element der complexgeometries Kollektionen. Und ich bin wahrlich verliebt in ihn.

the veil

$715 sind eine Menge Geld. Ich könnte mir davon endlich eine neue Kamera kaufen. Oder einige hübsche Handtaschen. Ja, man könnte das Geld auch hilfsbedürftigen Menschen zukommen lassen. Oder man legt es auf die hohe Kante (wie langweilig).

Wie lange kann ich dem Schuh noch widerstehen? Bei einem Preis von $715, habe ich es bislang schon 2 Jahre geschafft.

Vor etwa einem Jahr stand ich vor einer ähnlichen Entscheidung.

Ein paar Boots, die ich bereits 3 Jahre lang anhimmelte,  schafften letztlich, zum stolzen Preis von knapp 400 Euro ihren Weg, über meine EC-Karte, in meine Einkaufstasche. Eine gute Investition? – Ja! Eine notwendige Investition? – Nein!

Mich plagte lange das schlechte Gewissen, mir so teure Schuhe gekauft zu haben. Ich trug sie sicherlich 2 Wochen nicht und ließ sie im Karton, weil ich mir nicht sicher war, ob ich sie wirklich behalten sollte.

Zugegebenermaßen trage ich die Boots (zumindest im Herbst und Winter) fast jeden Tag. Doch ich kenne mich, schon bald werden sie mir vielleicht nicht mehr gefallen und dann? Dann stehen die 400 Euro im Schrank. Vergessen und ausgelatscht. Ein trauriges Stück Erinnerung an einen Tag, an dem ich mich selbst sehr glücklich machte.

the veil black behind

Doch dann sehe ich Freunde, Blogger, Menschen auf der Straße, die ohne mit der Wimper zu zucken, sich teure Designerstücke leisten. Teilweise Menschen, bei denen ich mich sowieso frage, wie sie ihren Lebensstil unterhalten. Doch das ist nicht mein Business. Mein Point ist, wieso plagt mich ein so schlechtes Gewissen, wenn es um eine teure (unsinnige) Anschaffung geht. Es ist ja nun nicht so, dass ich deswegen einen Kredit aufnehmen würde.

Ist es die Vernunft des Alters, die mir sagt, dass es nun wirklich Geldverschwendung ist? Ist es meine Erziehung, weil ich weiß, meine Mutter würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie davon wüsste? Oder, was ist es?

Wo zieht man die Grenze?

Die 400 Euro Schuhe kamen mir damals unverschämt teuer vor. Doch nun da ich sie habe, sehe ich die gute Verarbeitung. Ich sehe den krassen Unterschied zwischen Deichmann und Designerschuh bereits 10 Meter gegen den Wind. Und nun kommen mir die 400 Euro nicht mehr so viel vor.
Würde das auch passieren, wenn ich mir den Traumboot kaufen würde? Sinkt danach meine Hemmschwelle bei teuren Anschaffungen? Ist das der Grund, weswegen viele Freunde, Blogger und Menschen die ich kenne, Designerlabels kaufen und beim Preis nicht mehr verwundert sind?

Doch wo hört das auf? Hört es auf? Ist es nicht ein ähnlicher Verlauf, wie bei einer Drogenlaufbahn?
Ich glaube ich will es lieber nicht wissen. Ich glaube The Veil bleibt im Online-Shop, wo ich ihn zwar täglich sehen kann, aber dennoch auf sicherem Abstand bin.

Wo liegt bei dir die Grenze und warum?

 

Quelle Images: Instagram complexgeometries

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